Pilze sammeln mit Apps: Wie sicher sind digitale Helfer bei der Pilzbestimmung?

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Pilze sammeln ist für viele ein beliebtes Hobby, besonders in der Herbstzeit. Mit der zunehmenden Digitalisierung stehen mittlerweile zahlreiche Pilz-Apps zur Verfügung, die bei der Bestimmung helfen sollen. Doch können diese Apps wirklich zwischen genießbaren und giftigen Pilzen unterscheiden? Unser Test zeigt die Stärken und Schwächen der digitalen Pilzberater.

Wie funktionieren Pilz-Apps?

Die Bedienung von Pilz-Apps ist denkbar einfach: Man macht ein Foto des Pilzes und die App schlägt anhand äußerlicher Merkmale vor, um welche Pilzart es sich handeln könnte. Doch hier liegt auch das Problem. Faktoren wie der Geruch des Pilzes oder der Untergrund, auf dem er wächst, können wichtige Hinweise liefern – und diese Aspekte können Apps nicht erfassen.

Der Test: Vier Apps im Praxiseinsatz

Unsere Testkandidaten:

  • Ops Identify (kostenlos)
  • Pilzerkenner-App (7,99 Euro)
  • Picture Mushroom (22,99 Euro)
  • Pilze123 (34,99 Euro pro Jahr)

Zum Einsatz kamen die werbefreien iPhone-Versionen. Biologe und Pilzguide David Schomberg, ein erfahrener Experte, leitete den Test. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

Pantherpilz: Ein tödlicher Verwechsler

Beim ersten Fund, einem potenziell tödlich giftigen Pantherpilz, versagten alle vier Apps. Keine erkannte den gefährlichen Pilz korrekt. Stattdessen wurden harmlose Alternativen wie der Graue Wulstling angezeigt.

David Schomberg erklärt: „Um gefährliche Pilze wie diesen sicher zu bestimmen, ist es entscheidend, den gesamten Pilz zu betrachten, einschließlich der Knolle am unteren Ende. Das fehlt den Apps oft.“

Gefährliche Verwechslungen

Die Verwechslungsgefahr ist beim Pilzsammeln groß. So kann der hochgiftige Grüne Knollenblätterpilz mit einem Champignon verwechselt werden – ein Fehler, der schwerwiegende Folgen haben kann. Eine Knollenblätterpilzvergiftung zerstört die Leber oft innerhalb weniger Tage und erfordert im schlimmsten Fall eine Transplantation.

In Mitteleuropa gibt es über 10.000 Großpilze, von denen etwa 200 essbar150 giftig und 10 tödlich giftig sind.

Ein Lichtblick: Steinpilz

Der Steinpilz, ein Klassiker unter den Speisepilzen, wurde von allen vier Apps korrekt erkannt – wenn auch nicht immer eindeutig. Der Vorteil des Steinpilzes: Es gibt keine tödlich giftigen Verwechslungsarten. Dennoch sollten auch Anfänger-Pilze wie der Steinpilz nur mit sicherem Wissen gesammelt werden.

Wichtiger Tipp: Pilze wachsen oft an denselben Stellen, bevorzugt in der Nähe großer, gesunder Bäume wie Buchen, Fichten oder Eichen.

Apps: Hilfreich, aber kein Ersatz für Expertenwissen

Obwohl die Apps bei einfachen Pilzen wie dem Steinpilz überzeugen können, zeigen sie Schwächen bei gefährlichen Arten. David Schomberg warnt: „Man darf Apps niemals blind vertrauen. Sie eignen sich hervorragend, um die Natur zu erkunden, aber sie ersetzen keine Expertise.“

Ein weiterer Hinweis: Viele Pilze reichern Schwermetalle aus dem Boden an. Deshalb sollte man nicht mehr als 250 Gramm Wildpilze pro Woche essen, um die Nieren zu schonen.

Unser Fazit

Pilz-Apps sind ein nützliches Werkzeug für Naturfreunde, um die Artenvielfalt im Wald zu entdecken. Doch für die sichere Pilzbestimmung – vor allem bei essbaren Sorten – bleibt der Rat eines Experten unerlässlich. Wer unsicher ist, sollte unbekannte Pilze in einer Tüte sammeln und von einem Experten überprüfen lassen. Denn: Die Natur bietet viele Genüsse, aber auch gefährliche Fallen.