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Apfelsaft ist in Deutschland beliebt, doch aktuelle Tests zeigen, dass der Saft aus den Supermärkten und Discountern teurer und in manchen Fällen auch bedenklicher wird. In einem umfangreichen Vergleich wurde Apfelsaft genauer unter die Lupe genommen, wobei neun verschiedene Produkte – sechs konventionelle und drei Bio-Säfte – getestet wurden. Ziel war es, die Qualität, Pestizidbelastung und den Geschmack der Säfte zu bewerten.
Preisexplosion und Geschmackserlebnis
Die Preise für Apfelsaft sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen, was viele Konsumenten bereits bemerkt haben dürften. Der günstigste Apfelsaft im Test stammt von Penny für 1,19 Euro pro Liter, während der teuerste Bio-Saft mit 3,56 Euro pro Liter deutlich höher angesiedelt ist. Auch Markenprodukte wie „Beckers bester“ und „Amecke“ wurden einbezogen. Besonders bemerkenswert: Alle Säfte wurden als naturtrüber Direktsaft angeboten, was einen unverfälschten Apfelgeschmack verspricht.
Um den Geschmack zu bewerten, führte ein vierköpfiges Test-Team der Freiwilligen Feuerwehr Gollwitz eine Blindverkostung durch. Bei dieser Verkostung fielen besonders große Unterschiede im Geschmack auf: Manche Säfte wurden als „zu süß“ oder „zu sauer“ empfunden, andere wiederum wirkten „wässrig“ oder hinterließen ein leichtes Prickeln. Gewinner der Geschmacksprobe war der Apfelsaft von Amecke, der von den Testern für sein rundes Geschmackserlebnis gelobt wurde.
So entsteht Apfelsaft: Ein Blick hinter die Kulissen
Bei der Herstellung von Apfelsaft ist vor allem der Geschmack entscheidend, der laut Achim Fießinger von der Bio-Mosterei Ketzür stark durch die Qualität und Herkunft der Äpfel beeinflusst wird. In seiner Mosterei verwendet er ausschließlich regionale Äpfel. Nach einer gründlichen Reinigung werden die Äpfel zu einer Maische verarbeitet, gepresst und auf etwa 80 Grad erhitzt, um den Saft haltbar zu machen. Dieser Prozess sorgt dafür, dass der Saft möglichst naturbelassen bleibt und ein intensives Apfelaroma bewahrt.
Pestizidrückstände: Bio vs. konventionell
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Untersuchung war die Belastung mit Pestiziden. Während alle Bio-Säfte im Test ohne Pestizidrückstände auskamen, wurden in den konventionellen Produkten Spuren von bis zu vier verschiedenen Pestiziden nachgewiesen. Die gute Nachricht: Alle Rückstände lagen unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte. Dennoch bleibt ein Restzweifel, denn Pestizide können in Kombination stärkere gesundheitliche Auswirkungen haben. Die Hersteller betonten jedoch, dass sie die Pestizide nur im erlaubten Rahmen einsetzen und regelmäßige Kontrollen durchführen.
Herkunft der Äpfel: Ein internationaler Mix
Interessant ist auch die Herkunft der Äpfel, die in den verschiedenen Säften verwendet werden. Nur die Bio-Marke Voelkel und der konventionelle Saft von Rauch setzten ausschließlich auf deutsche Äpfel. Die übrigen Hersteller beziehen ihre Äpfel teils auch aus Polen, Österreich, Italien oder Tschechien. Ein Grund dafür ist die schlechte Apfelernte in Deutschland: Frostschäden haben vielerorts zu massiven Ernteausfällen geführt, was die Preise für heimische Äpfel weiter in die Höhe treibt.
Zucker im Apfelsaft: Ein Genuss mit Vorsicht
Ein Liter Apfelsaft enthält im Durchschnitt 37 Zuckerwürfel – hauptsächlich Fruchtzucker, der jedoch ebenfalls mit Bedacht konsumiert werden sollte. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt daher, Apfelsaft vorzugsweise als Apfelschorle zu trinken, um den Zuckergehalt zu reduzieren.
Fazit: Bio oder konventionell?
Für Apfelsaftliebhaber stellt sich die Frage, ob es sich lohnt, zu Bio-Säften zu greifen oder auf konventionelle Produkte zurückzugreifen. Während Bio-Säfte teurer sind, kommen sie ohne Pestizide aus und bieten oft die Gewissheit, dass die Äpfel aus regionalem Anbau stammen. Konventionelle Säfte schneiden im Geschmackstest teilweise besser ab, bergen jedoch das Risiko von Pestizidrückständen – wenn auch in gesetzlich unbedenklichen Mengen.
Zusammenfassend zeigt der Test, dass Apfelsaft in Deutschland nicht nur beliebter, sondern auch teurer und in gewisser Weise problematischer geworden ist. Wer auf regionalen und pestizidfreien Genuss Wert legt, greift am besten zu Bio-Produkten, während preisbewusste Konsumenten mit konventionellen Säften eine durchaus geschmackvolle, jedoch weniger nachhaltige Alternative haben.